Heimatkundlicher Arbeitskreis Möckmühl
Guß der neuen Glocke für das alte Schulhaus
Das Glockentürmchen auf dem alten Schulhaus in der Bahnhofstraße war seit dem 2. Weltkrieg ohne Glocke, das zugehörige Uhrwerk fehlte. Die Volksbank Möckmühl-Neuenstadt eG stiftete zu ihrem 125-jährigen Jubiläum ein neues Uhrwerk samt Glocke. Am 12. November 2004 wurde die Glocke im Kloster Maria Laach gegossen.
Glocken von Möckmühl, Bittelbronn, Korb, Ruchsen, Züttlingen
Am 8. November 2002 wurde in der Schalterhalle der Volksbank in Möckmühl eine Ausstellung zur Geschichte unserer Glocken eröffnet. Ilse Saur, Leiterin des Heimatkundlichen Arbeitskreises, konnte zahlreiche Gäste begrüßen und freute sich mit den Gastgebern Werner Philipp und Herbert Darilek von der Volksbank Möckmühl-Neuenstadt eG, dass an diesem Tag der dritte Band zur hiesigen Heimatgeschichte vorgestellt werden konnte. Er trägt den Titel "Streifzug durch die Geschichte der Glocken von Möckmühl und den Teilorten Bittelbronn, Korb, Ruchsen, Züttlingen". Autor ist der Heilbronner Realschulrektor und Glockenforscher Norbert Jung. Zusammen mit Ilse Saur hat er in den hiesigen Stadt-, Gemeinde- und Kirchenarchiven nach schriftlichen Zeugnissen gesucht. "Er ist in die Kirchtürme geklettert und hat sich auch nicht gescheut, sich in die kleinsten Glockentürmchen zu zwängen um die Glocken zu fotografieren. Sogar der Möckmühler Bauhof mit seiner ausfahrbaren Hebebühne wurde bemüht um die Glocke im Türmchen der Friedhofskapelle so nah als möglich aufs Bild zu bannen," erinnert sich Ilse Saur.
Wenn im Turm die Glocken läuten,
kann das vielerlei bedeuten.
Erstens dass ein Festtag ist.
Dann: Dass du geboren bist.
Drittens: Dass dich jemand liebt.
Viertens: Dass dich's nicht mehr gibt.
Kurz und gut, das Glockenläuten
hat nur wenig zu bedeuten.
Mit diesem Gedicht von Erich Kästner eröffnete Norbert Jung seine allgemeinen Ausführungen zur Glockengeschichte und machte damit deutlich, was viele Menschen heute von Glocken und ihrem Klang halten. Er hob hervor, dass früher die Bedeutung der Glocken viel größer war: "Sie waren Signale, Zeitgeber, Feuer- und Sturmwarner, Unwettervertreiber, Kneipen- und Wirtshausschließer und für viele sonstige profane Angelegenheiten wie Geburtstag des Monarchen, Wahlbeginn, Anfang der Weinlese, Schulzeitanfang, Auktionen, Steuereintreibungen, Gemeinderatssitzungen u.s.w. unentbehrlich." Jung spannte den Bogen von China im zweiten vorchristlichen Jahrtausend bis zum ausgehenden Mittelalter in Europa: "Spätestens seit dem 14. Jahrhundert erinnerte der Glockenklang täglich an den Lebens- und Leidensweg Jesu. Klangzeichen bestimmten daher den Tages-, Jahres- und sogar Lebensablauf vieler Menschen, mit ihrer Hilfe konnten sie sich ihre Zeit einteilen und sich orientieren. Der Bogen von der Taufe bis zur Bahre wird in dem bekannten Spruch "Vivos voco, mortuos plango" umfassend gespannt. Dazu erscheint oft noch der Zusatz "Fulgura frango", eigentlich eine von Schiller bekannt gemachte Inschrift einer Glocke des Schaffhausener Münsters aus dem Gussjahr 1486. Also: Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, die Blitze breche ich."
Norbert Jung berichtete dann über den Glockengießer Timotheus Hartz aus Mosbach, der 1675 mitten in Möckmühl auf dem Kirchplatz Gruben für die Formen zum Glockenguss unter freiem Himmel anlegte. In der heute noch erhaltenen seitenlangen Abrechnung findet sich manche kuriose Zutat für die Glockenschmelze. Der damalige Rechnungsschreiber hinterließ uns unter anderem folgendes Detail: "So habe ich zu der großen Glockenform 48 Ayer pro 16 Kreuzer und zu der Mittagsglocken 36 Ayer um 12 Kreuzer hin und wieder erkauft. Thut 28 Kreuzer."
Jung ging auch auf die beiden Gesichter der Glockengießer ein: "Sie hatten historisch betrachtet meist zwei Berufe: Glockengießer und Stücke- bzw. Kanonenrohrhersteller. Die Bedeutung der Glocke über die Jahrhunderte hing also auch mit der doppelten Verwendbarkeit der benutzten Metalle Kupfer und Zinn zusammen, wenn auch kein einfaches pures Umschmelzen möglich ist. Glocken waren im Krieg immer willkommene Beutestücke für den Sieger, und bei einer drohenden Niederlage eine letzte Möglichkeit, die Metallreserven zu mobilisieren. Aufruhr, Krieg und Frieden führten zu richtigen Konjunkturwellen bei den Glockengießern." Die gravierendsten Veränderungen für unsere Glocken brachte aber das vergangene Jahrhundert, über das Jung sagte: "Die beiden Weltkriege bedeuteten für Deutschland jedoch die größten glockenhistorischen Umwälzungen. Geläute wurden zerstört und wieder aufgebaut, wie wir dies für Möckmühl und seine Stadtteile in unserem Buch darstellen. Im 1. wie im 2. Weltkrieg reisten Beauftragte von Kirche zu Kirche, klassifizierten in A- bis C- bzw. D-Glocken, nur die musikalisch und geschichtlich wertvollsten alten Stücke oder höchstens eine, meist die kleinste, die Läuteglocke, durften verbleiben. Oder ganz wertvolle wie die Glocken von Ruchsen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, in Korb aus dem Gussjahr 1623. Die Möckmühler Stadtkirche hat in den letzten 104 Jahren gleich dreimal ihr Geläute verloren, durch Brand (1898) und zweimal durch Kriegsablieferung. Die älteste Glocke im Gemeindegebiet - sie wurde um das Jahr 1300 gegossen - musste 1918 für Kriegszwecke abgegeben werden. Sie entging jedoch der Einschmelzung und läutet heute zur Taufe und vor Beginn der Trauerfeier von der evangelischen Kirche in Züttlingen."
Zum Abschluss der Ausstellungseröffnung trug Stadtpfarrer Günter Friedrich Renz ein selbstverfasstes Gedicht vor:
Werte Herren, sehr geehrte Damen,
die banklich hier zusammen kamen.
Kurz soll ich nur ein paar Sätze sagen,
ehe Sie sich an die Happen wagen.
Es erfreut mich, was ich hier sehe,
betrachte es noch aus der nächsten Nähe.
Schon lange, so sagte sie, will'se
berichten über Glocken, die Saur Ilse,
ihr beistehen würde mit viel Schwung
der Oberglöckner Norbert Jung.
Und auf beider Geheiß
Traf sich der Arbeitskreis
Heimatkundlich aus Möckmühl
Schaffte fleißig und mit viel Gefühl.
Was ihren Blick dabei erhellt
Ist hier jetzt für uns ausgestellt.
Die Glocken, so ist es immer gewesen,
sie läuten zu vielerlei Anlässen:
zu frohen, zu schweren, bei Taufe und Trauung,
zum Frieden, in Nöten, zur eignen Erbauung.
Friede sei ihr erst und letzt Geläute
Erfreue uns in Zukunft und auch heute.
Was wir über unsre Glocken sehen können
Kann ich nur mit großem Lob benennen.
Bei dieser Ausstellung über die Glocken
Bin ich einfach von den Socken.
Hohe Anerkennung für allen Fleiß
Ich hör' auf, ein jeder weiß:
Hiermit dankend verabschiedet sich
Möckmühls erster Glockenhüter Günter Friedrich.
Die Ausstellung über die Glocken von Möckmühl und seinen Teilorten war bis 29. November 2002 während der Schalterstunden in der Volksbank Möckmühl zu besichtigen.
In dem Buch "Streifzug durch die Geschichte der Glocken von Möckmühl und den Teilorten Bittelbronn, Korb, Ruchsen, Züttlingen" stellt Norbert Jung auf 92 Seiten mit zahlreichen erstmals veröffentlichten Fotos ausführlich weit über vierzig Glocken vor.
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Zum Preis von 9,80 € ist es bei der erhältlich.
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Dort sind auch alle anderen Veröffentlichungen des Heimatkundlichen Arbeitskreiseserhältlich.
Die Glocken der evangelischen Stadtkirche Möckmühl können Sie in einer Aufnahme von Bernhard Klier erleben.
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